ÜBER JANA

Es gibt einen Satz, den ich mir damals immer wieder gesagt habe.

Nicht laut. Eher so, wie man etwas denkt, das man nicht wirklich denken möchte.

Irgendwann wird das besser.

Jana Friedrichson, 68 · Berlin

Ich bin Jana – Meine Geschichte

Vielleicht möchtest du wissen, wer dir hier schreibt.

Ich weiß nicht mehr genau, wie oft ich das gedacht habe. Morgens, wenn die Wohnung still war. Abends, wenn ich den Fernseher anlaufen ließ, nicht weil ich etwas sehen wollte, sondern weil die Stille sonst zu groß wurde. Mittags manchmal, beim Kochen für eine Person, was sich seltsam anfühlt, wenn man es jahrelang anders gewohnt war.

Irgendwann wird das besser.

Aber ich habe irgendwann gemerkt, dass dieser Satz nicht stimmt. Nicht so. Nicht von alleine.

Ich bin Jana. Ich bin über sechzig.

Das sage ich nicht als Entschuldigung. Und auch nicht als Erklärung. Ich sage es, weil es bedeutet: Ich kenne das, worüber ich schreibe, von innen. Nicht aus Büchern. Nicht aus Seminaren, sondern aus einem Sonntagvormittag in einer stillen Wohnung, in der ich saß und nicht wusste, was ich mit dem Tag anfangen sollte.

Ich war lange verheiratet. Ich habe ein Leben aufgebaut, das sich um ein Wir drehte. Um Kinder, um Pläne, um jemanden, für den man morgens aufsteht. Und dann hat sich das verändert. Langsam zuerst. Dann plötzlich. Und dann war da diese Stille.

Nicht die angenehme Stille nach einem langen Tag.

Die andere.

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»Ich hätte so tun können, als wäre alles in Ordnung.

Viele tun das. Man macht weiter, man wartet, man hofft, dass die Zeit das erledigt, was man selbst nicht anschauen möchte.

Aber ich habe mich entschieden hinzuschauen.

Nicht weil ich mutig bin. Eher weil ich gemerkt habe, dass die Alternative schlimmer ist.«

Jana Friedrichson

Was hat mir geholfen?

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Kleine Dinge. Ich bin morgens rausgegangen, erst nur bis zur Ecke, weil mehr nicht ging. Ich habe mir ein E-Bike ausgeliehen und meine Umgebung neu entdeckt, langsam, ohne Ziel. Ich habe angefangen zu reisen. Erst zögernd. Dann mit Gruppen. Dann mit Menschen, die ich auf diesen Reisen kennengelernt habe und die heute echte Freundinnen sind.

Ich habe gelernt, dass Verbindung nicht von alleine kommt. Dass man sie suchen muss. Und dass das Suchen sich lohnt.

Einmal, das war schon etwas später, als es mir besser ging, bin ich in ein Museum gegangen. Nicht weil ich vorhatte, etwas Bestimmtes zu sehen. Ich wollte einfach irgendwo sein, wo es ruhig ist und trotzdem nicht leer.

Ich bin durch die Räume gegangen, ohne Plan. Und dann stand ich plötzlich vor einem Bild.

Eine Frau. Allein. Ein Fenster. Ein bisschen Licht.

Mehr passierte eigentlich gar nicht. Keine große Geschichte. Keine dramatische Szene.

Aber ich bin sehr lange davor stehen geblieben. So lange, dass eine Aufseherin zweimal an mir vorbeiging.

Ich glaube, ich habe damals zum ersten Mal seit langer Zeit einfach nur … da gewesen. Ohne Aufgabe. Ohne Funktion. Ohne jemanden, für den ich gerade stark sein musste.

Diese Frau im Bild musste gerade nichts.

Und ich auch nicht.

Wenn du magst, begleite ich dich.
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Deshalb schreibe ich.

Nicht als Expertin, die erklärt. Nicht als jemand, der die Lösung kennt. Sondern als Frau, die denselben Weg gegangen ist, und die sagen möchte: Es geht weiter. Nicht perfekt. Nicht ohne Rückschläge. Aber es geht.

Meine Briefe sind keine Ratschläge. Sie sind eher so, wie man einer guten Bekannten schreibt, wenn etwas passiert ist, das man teilen möchte. Über Momente, in denen es schwerer ist. Über Bücher, die mir geholfen haben. Über Spaziergänge, die plötzlich mehr waren als nur Spaziergänge.

Zweimal im Monat.

Wenn du möchtest, begleite ich dich dabei.

Jana Friedrichson